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„Vernetzen, beraten, Kompetenzen bündeln!“

Mag.a Mariana Karepova leitet seit Anfang November 2015 das Österreichische Patentamt. Bild: ÖPA

Seit 1. November 2015 leitet Mag.a Mariana Karepova das Österreichische Patentamt (ÖPA). Die 45-jährige IP-Expertin übernahm die Agenden von Mag. Christian Weissenburger, der das Patentamt seit April 2015 interimistisch geleitet hatte. Im Interview spricht die erste Frau an der Spitze des ÖPA über Forschung und Entwicklung in Österreich, Schwellenängste von KMU und die künftige Rolle des Patentamtes im heimischen IP-System.

invent: Wie wichtig sind Forschung und Entwicklung für Österreich?

Mariana Karepova: Sehr wichtig! Eigentlich grundlegend, wenn unser Land international reüssieren möchte. Österreich hat begrüßenswerter Weise eine hochentwickelte Industrie und ein hohes Einkommensniveau. Das wollen wir auch so beibehalten. Daher können und wollen wir im globalen Wettbewerb vor allem über die Qualität bestehen. De facto müssen wir jedoch, um das, was wir teurer sind, auch besser sein. Der Weg führt über den technologischen Fortschritt und über neue Erkenntnisse, die in innovativen Produkten und Dienstleistungen umgesetzt werden müssen. Das gemeinsame Bestreben von Politik, Universitäten, angewandten außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Unternehmen aber auch von Förderungsagenturen ist es, mehr und bessere Innovationen rasch zu ermöglichen. Und diese dann schneller in die Umsetzung, auf den Markt zu bringen. Wir im Patentamt verfolgen das gleiche Ziel. Mit Hilfe unserer professionellen Schutzmöglichkeiten und unserer Beratung möchten wir das Innovationsgeschehen weiter ankurbeln.

invent: Sie haben viele Jahre bei der FFG gearbeitet. Ist das österreichische System der Forschungsförderung für die kommenden Herausforderungen gerüstet?

Mariana Karepova: Die Antwort ist definitiv: Ja! Österreich verfügt über ein ausgezeichnetes Fördersystem. Wir werden oft darum beneidet. Denn die Forschungsförderung in Österreich ist praktisch lückenfrei: Es gibt sehr gute niederschwellige Angebote für Einsteiger/innen (wie zum Beispiel den Innovationsscheck oder Feasibility Studies). Bereits forschende Unternehmen werden ebenfalls umfassend unterstützt – von der Förderung von Einzelprojekten bis hin zu kooperativen Projekten. Auch Strukturaufbau wird gefördert: Zum Beispiel der Zusammenschluss von exzellenten Forschungseinrichtungen und Unternehmen bei den Kompetenzzentren (COMET-Zentren). Und: Für die kommenden großen Herausforderungen unserer Zeit gibt es thematische Förder-Programme, wie die Mobilität der Zukunft, Produktion der Zukunft, Industrie 4.0 oder etwa Energiesysteme der Zukunft. Das Patentamt soll mehr ins Zentrum dieser Systeme rücken und sich stark mit der Förderszene vernetzen: Wir wollen gemeinsam mit den Förderagenturen wie FFG oder aws Angebote an Forschende und Unternehmen richten. Daran arbeiten wir derzeit verstärkt.

Das ÖPA wird sich als  Kompetenzzentrum für geistiges Eigentum mit seiner einzigartigen technischen und rechtlichen expertise künftig nachhaltiger ins innovationsgeschehen einbinden.

invent: Wie wollen Sie das ÖPA zu einem zentralen Player im österreichischen Innovationssystem weiterentwickeln?

Mariana Karepova: Vernetzen, Beraten, Kompetenzen bündeln. Wir werden uns als österreichisches Kompetenzzentrum für geistiges Eigentum nachhaltiger ins Innovationsgeschehen einbinden. Die zum Teil sehr einzigartige technische und rechtliche Expertise des ÖPA soll dem Innovationssystem zur Verfügung gestellt werden. „Näher am Kunden“ soll nicht nur ein Schlagwort sein, sondern Realität werden. Zum Beispiel wären gemeinsame Recherchen bei Universitäten, Gründerzentren oder Unternehmen Vorort denkbar. Das Patentamt soll erlebbar werden.

invent: Welche Rolle kann das ÖPA hinsichtlich des zunehmenden Trends hin zum Europäischen Patent, der sich mit dem Patent mit einheitlicher Wirkung noch weiter verstärken wird, in Österreichs IP-System spielen?

Mariana Karepova: Die IP-Welt, also die Welt des geistigen Eigentums, ist im Umbruch. Viele Unternehmen – in Österreich und auch im Ausland – melden, gerade in Zeiten global vernetzter Wirtschaft, verstärkt europäisch und international an. Einerseits bietet das Einheitliche Patent eine zusätzliche Möglichkeit für österreichische Unternehmen, auf größeren Märkten zu agieren. Andererseits werden österreichische Betriebe mit einer Vielzahl an neuen Ausschließungsrechten konfrontiert werden, die sie beim Entwickeln und Vermarkten neuer Produkte behindern könnten. Schwellenländer wie China und Südkorea fahren da ziemlich aggressive Strategien. China ist bereits heute der größte Patentanmelder der Welt und hat sich zum Ziel gesetzt, die Anmeldezahlen bis 2020 zu verdreifachen, nämlich auf 1,5 Millionen Patentanmeldungen pro Jahr. Man kann davon ausgehen, dass China seine Patentstrategie – insbesondere nach der Einführung des neuen Einheitlichen Patentes – beibehält. Was mir wichtig ist: Wir werden vor allem KMU fit machen für diese neuen Herausforderungen und Chancen. Das Patentamt wird ihnen die Kompetenzen vermitteln, damit sie sich in diesem hoch komplexen Umfeld zurechtfinden können. Denn: Mit mehr Schutzmöglichkeiten wird auch der Beratungsbedarf weiter zunehmen und daher wird das ÖPA, zusätzlich zu seinen behördlichen Aufgaben, stärker als Service-Dienstleister, d. h. als Berater, Ausbildner und Aufklärer auftreten. Das Einheitliche Patent soll keine Universität, kein Unternehmen – sei es noch so klein – und keine Forschungseinrichtung unvorbereitet treffen.

invent: Ist die Einrichtung einer lokalen österreichischen Kammer für das EU-Patentgericht auf Schiene und wann rechnen Sie mit dem ersten „EU-Patent“?

Mariana Karepova: Österreich wird eine lokale Kammer bekommen, die im Österreichischen Patentamt ihre Heimat finden wird. Das ÖPA stellt dafür seine Infrastruktur und seine personellen Ressourcen zur Verfügung. Für die österreichischen Unternehmen ist das ein großer Vorteil, da etwa Patentverletzungsverfahren im eigenen Land und in der Landessprache abgehandelt werden können.

Damit das Einheitliche Patent in Kraft treten kann, müssen 13 Mitgliedstaaten das Patentgerichts-Übereinkommen ratifizieren. Bislang haben acht Mitgliedstaaten – darunter Österreich – den Ratifizierungsprozess abgeschlossen. Das genaue Datum für das erste europäische Patent mit einheitlicher Wirkung wird Ihnen wahrscheinlich niemand nennen können - kolportiert wird Jahresbeginn 2017. 

invent: Vor allem kleinen und mittleren Unternehmen fehlt häufig das Know-how für den Schutz ihres geistigen Eigentums. Wie kann das Patentamt hier „Schwellenängste“ nehmen?

Mariana Karepova: Wir müssen aktiv auf unsere Kundinnen und Kunden zugehen – vor allem auch auf kleine und mittlere Unternehmen. Wie intensiv unsere KMU vom gewerblichen Rechtsschutz Gebrauch machen, hängt von deren Strategien ab. Mir ist es wichtig, dass sie überhaupt eine Strategie haben. Das Wichtigste, worauf es ankommt, ist ein bewusster Umgang mit dem Themenkomplex: Wer sind meine Mitbewerber - national und international? Welche Schutzrechte besitzen sie? Wo besteht Verletzungsgefahr? Was ist meine eigene Strategie? Das sind die Fragen, die sich die Unternehmen stellen müssen – und wir wollen starke Partner und Berater bei diesen Fragen sein. Der gewerbliche Rechtsschutz ist kein exklusives Vorrecht der globalen Player. Erfindungs-, Marken- und Designschutz müssen auch für KMU und Start ups zur Selbstverständlichkeit werden. 

Die Bedeutung der strategischen Schutzmechanismen des gewerblichen Rechtsschutzes wird von vielen Firmen und insbesondere von KMU noch immer unterschätzt. Es gibt bereits einige gute Serviceangebote – wie discover.ip, ein Informationsservice, das technologieorientierten KMU bei der Analyse des Potenzials von geistigem Eigentum behilflich ist. Solche Angebote sollen heimischen Unternehmen helfen, sich in der europäischen Innovationslandschaft zu positionieren. Wir haben damit aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Wir werden mehr investieren, mehr daran arbeiten – vor allem im Bereich der niederschwelligen Angebote. Denn: Wir verstehen uns nicht nur – und nicht primär – als Behörde, sondern als Partner der österreichischen Wirtschaft.

Lesen Sie den ungekürzten Artikel in der Ausgabe invent 4/2015!


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